Kinderlandverschickung - KLV

KLV Plakat 1944, Ruhrgebiet.
KLV Plakat 1944, Ruhrgebiet.
Vor dem Hintergrund zunehmender Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs und der gravierend anwachsenden Versorgungsprobleme in den Städten wurden bis Kriegsende rund 2,5 Millionen Jungen und Mädchen in ländliche Gebiete evakuiert und in etwa 9.000 Lagern untergebracht. Mit großem Aufwand stellte die NS-Propaganda diese Kinderlandverschickung (KLV) als gesundheitlich begründete Ferienreisen für Stadtkinder dar. Maßgeblich beteiligt an der KLV war die Hitler-Jugend (HJ), bei der seit 1940 auch die organisatorische Verantwortung für diese Maßnahme lag.

Aus der durch den Luftkrieg hervorgerufenen Notlage machten die Nationalsozialisten in mehrfacher Hinsicht eine ideologische Tugend: Die Kinder konnten vor dem Krieg geschützt werden und wurden gleichzeitig der politischen und ideologischen Beeinflussung sowie dem paramilitärischen Drill in den Lagern ausgesetzt. Zugleich waren die oft über Monate, bisweilen auch über Jahre in

Schullandheimen, Zeltlagern, Pensionen oder Jugendherbergen lebenden Kinder dem Einfluß ihres Elternhauses entzogen. Fernab von Elternhaus und Schule konnte das NS-Regime so über die HJ im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie auf die Kinder einwirken.

Schulkinder 1941 warten auf einen KLV Sonderzug.
Schulkinder 1941 warten auf einen KLV Sonderzug.

Ein weiterer durch die KLV geförderter Effekt bestand in der wirtschaftlich dringend erforderlichen Freistellung der Mütter für den zunehmenden Bedarf an Arbeitskräften in der Rüstungsindustrie.

Quelle und Copyright: LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online. Ein Projekt des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin und dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HdG) in Bonn.

 

 

Literatur

Benz, Wigbert / Bernd Bredemeyer / Klaus Fieberg: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Beiträge, Materialien Dokumente. CD-Rom, Braunschweig 2004.

Gießmann, Thomas / Rudolf Marciniak: 'Fast sämtliche Kinder sind jetzt weg.' -Kinderlandverschickung , Münster 2001.

Kock, Gerhard: 'Der Führer sorgt für unsere Kinder...'. Die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, Paderborn 1997.

Museen für Stadt- und Heimatgeschichte/Stadtarchiv Hagen (Hrsg.): Heimat ade! Kinderlandverschickung in Hagen 1941-1945. (=Hagener Stadtgeschichte(n), Bd. 7; Hagen 1998.

Museen für Stadt- und Heimatgeschichte/Stadtarchiv Hagen (Hrsg.): Flucht vor Bomben. Kinderlandverschickung aus dem östlichen Ruhrgebiet im 2. Weltkrieg. Hagen 2002.

Sollbach, Gerhard: 'Der Luftterror geht weiter - Mütter schafft eure Kinder fort, Bochum 2001.

Weinberg, Gerhard: A World at Arms : A Global History of World War II, Cambridge 1995.